14. Okt. 2026
KI-Entwicklung in Deutschland: Fördermöglichkeiten im Rahmen der Forschungszulage
Die Künstliche Intelligenz (KI) zählt zu den am schnellsten wachsenden Technologien und ist längst nicht mehr nur großen Technologiekonzernen wie Google oder OpenAI vorbehalten. Sie verändert und transformiert sämtliche Branchen und Prozesse. Innovationen und die digitale Transformation im Bereich der KI sind mittlerweile auch in komplexen Branchen wie dem Gesundheitswesen, der Logistik und der Fertigung zu beobachten. Deutschland setzt als Wirtschaftsstandort darauf, dass Innovationen im Bereich der KI und Entwicklungen in verwandten Bereichen wie maschinellem Lernen, Natural Language Processing (NLP) und Robotik nicht auf global tätige Unternehmen beschränkt bleiben, sondern auch regionale Unternehmen unterschiedlicher Größe die Möglichkeit erhalten, den Wandel voranzutreiben. Im Rahmen der Forschungszulage bietet der Staat einen erheblichen steuerlichen Anreiz, um Forschung und Entwicklung (F&E) für alle Unternehmen mit einem förderfähigen Forschungsprojekt unabhängig von ihrer Größe oder Branche zu unterstützen und zu beschleunigen.Der strategische Schwerpunkt der KI-Forschung und -Entwicklung in DeutschlandForschungsstrukturen auf WeltniveauMit dem Ziel, ein starkes Forschungsökosystem und langfristige Exzellenz zu fördern, investiert Deutschland aktiv in den Ausbau von KI-Kompetenzzentren an führenden Universitätsstandorten wie Berlin, München und Tübingen. Durch die Stärkung der Forschungsinfrastruktur sollen diese Zentren zu technologischen Knotenpunkten werden, die Innovation, Wissensaustausch und Zusammenarbeit fördern. Neben diesen universitären Zentren vernetzt die Bundesregierung auch wichtige Datennetzwerke wie GAIA-X und den Mobility Data Space, um eine neue, vertrauenswürdige Verbindung zu schaffen, über die Unternehmen und Branchen, die Industrie 4.0 vorantreiben, auf Daten zugreifen und diese austauschen können.Interdisziplinäre und angewandte ForschungKI gilt als Schlüsseltechnologie in verschiedenen Bereichen. Die KI-Forschung beschränkt sich daher nicht auf die Kernbereiche der Künstlichen Intelligenz, sondern konzentriert sich auch auf konkrete Herausforderungen in Bereichen wie Gesundheitswesen, Mobilität, Klimaschutz, Landwirtschaft und Luft- und Raumfahrt. Zur Unterstützung dieses Prozesses fördert die Bundesregierung KI-Leuchtturmprojekte, die sich auf ökologische Nachhaltigkeit, Lösungen für die Kreislaufwirtschaft und Anwendungen im Bereich Industrie 4.0 konzentrieren.Nachhaltige und vertrauenswürdige KIVerantwortungsvolle KI ist ein wichtiger Bestandteil der KI-Entwicklung, und Deutschland positioniert sich in diesem Bereich als Vorreiter. Die Forschungsprojekte legen großen Wert auf energieeffiziente KI-Systeme und die Verringerung der Umweltauswirkungen von KI-Technologien. Ebenso viel Aufmerksamkeit wird einer transparenten, verantwortungsvollen und ethischen KI-Entwicklung gewidmet.Europäische und globale ForschungskooperationDeutschland konzentriert sich aktiv auf den Aufbau eines europaweiten KI-Netzwerks unter der Marke „AI made in Europe“. Um dieses Ziel zu erreichen, sollen Fachwissen ausgetauscht, Europas führende KI-Forschungszentren ausgebaut und miteinander vernetzt, finanzielle Unterstützung bereitgestellt und hohe ethische Standards bei der KI-Entwicklung sichergestellt werden. Die bestehenden strategischen Partnerschaften mit Kanada, Frankreich und Japan konzentrieren sich auf die Zusammenarbeit, insbesondere auf das deutsch-französische Netzwerk im Bereich der KI-Forschung und -Innovation, dem sich auch andere Länder anschließen können.Forschungszulage und Förderfähigkeit von KI-F&E-ProjektenDie Forschungszulage ist ein steuerliches Förderprogramm, das förderfähige F&E-Projekte durch Steuerermäßigungen oder Barauszahlungen finanziell unterstützt. Die wichtigsten Merkmale dieses Programms sind:Sie steht steuerpflichtigen, sich nicht in Schwierigkeiten befindenden, Unternehmen aller Branchen offen, die ein F&E-Projekt durchführen.Sie ist unabhängig von der Unternehmensgröße und steht sowohl Start-ups und kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) als auch Großunternehmen zur Verfügung, sofern sie ein förderfähiges F&E-Vorhaben durchführen.Sie wird als Steuerermäßigung oder, wenn das Unternehmen keine Steuerlast hat, als Barauszahlung gewährt.Die finanzielle Unterstützung richtet sich nach den Ausgaben, die den Unternehmen im Rahmen des F&E-Projekts entstehen.Wie lässt sich feststellen, ob ein KI-Projekt für die Forschungszulage förderfähig ist? Die Antwort hängt von Faktoren wie der technologischen Komplexität und der Unsicherheit hinsichtlich der Ergebnisse des jeweiligen KI-Forschungsprojekts ab.Technologische Unsicherheit: Die Projektergebnisse müssen ein Element der Unsicherheit aufweisen. Das Ergebnis darf weder vorhersehbar noch ohne Weiteres verfügbar sein, wie es bei Routinetätigkeiten der Fall ist.Systematischer Ansatz: Das KI-Forschungsprojekt muss einem strukturierten Plan mit klar definierten Zielen und Schritten zu deren Erreichung folgen.Komplexe Architektur: Projekte, die die Entwicklung neuer KI-Architekturen umfassen, beispielsweise neuronaler Netze, die sich von bestehenden Modellen unterscheiden, können für die Forschungszulage infrage kommen, sofern sie technologische Unsicherheiten adressieren und die geltenden Förderkriterien für F&E erfüllen.Neuheitsgrad gegenüber dem Stand der Technik: Die KI-Anwendung oder -Lösung muss darauf abzielen, eine technische Wissenslücke zu schließen oder einen objektiven Fortschritt gegenüber dem Stand der Technik zu erzielen, anstatt lediglich bestehende Lösungen in einer Branche oder einem Unternehmen einzuführen, in der bzw. dem diese zuvor noch nicht eingesetzt wurden.Eigenbetriebliche Forschung oder Auftragsforschung: Forschungsprojekte, die von unternehmenseigenen Entwicklern durchgeführt oder an externe Partner innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums ausgelagert werden, sind förderfähig, sofern sie die Kriterien erfüllen und ihre Arbeitspakete innovative Elemente und nicht nur Routinetätigkeiten enthalten. Bei förderfähiger Auftragsforschung, die nach dem 27. März 2024 innerhalb der EU bzw. des EWR vergeben wurde, können 70 % der Auftragnehmervergütung in die förderfähige Bemessungsgrundlage einbezogen werden.Beispiele für KI-ProjekteZu den KI-Projekten, die für eine Förderung infrage kommen können, sofern sie die geltenden F&E-Förderkriterien erfüllen, gehören:Natural Language Processing (NLP) bei der Erstellung und Verarbeitung juristischer DokumenteComputer Vision zur Qualitätskontrolle in der FertigungSysteme zur vorausschauenden Wartung (Predictive Maintenance) mithilfe von maschinellem LernenKI-gestützte Systeme zur Betrugserkennung im FinTech-BereichKI-basierte Datenklassifizierung in VerkehrsmanagementsystemenWie erfolgt die Antragstellung?Die Beantragung der Forschungszulage erfolgt in zwei Schritten:Antrag auf eine BSFZ-Bescheinigung: Die Bescheinigungsstelle Forschungszulage (BSFZ) prüft die Projektdetails, um festzustellen, ob das Vorhaben als F&E-Projekt einzustufen ist. Erfüllt das Projekt alle Anforderungen, stellt die BSFZ eine Bescheinigung aus, die bestätigt, dass das Projekt die Voraussetzungen für die Inanspruchnahme der Forschungszulage erfüllt.Antrag auf finanzielle Förderung: Im zweiten Schritt wird nach Erhalt der BSFZ-Bescheinigung der Antrag beim Finanzamt eingereicht, um die finanzielle Förderung in Anspruch zu nehmen.Mehr erfahren: Forschungszulage 2026 – die wichtigsten Änderungen im ÜberblickFazitDeutschlands Engagement für die Weiterentwicklung der KI-Kompetenzen zeigt sich in den Investitionen in die Forschungsinfrastruktur, ethische Standards und internationale Partnerschaften. Für Unternehmen, die KI-Lösungen entwickeln – ob Start-ups, KMU oder etablierte Industrieunternehmen –, bietet die Forschungszulage eine praktische Möglichkeit, die finanzielle Belastung zu verringern und Innovationen zu beschleunigen. Durch die Förderung von Projekten, die technologische Unsicherheiten bewältigen und echte Fortschritte erzielen, trägt das Gesetz dazu bei, dass die KI-getriebene Transformation nicht auf globale Technologieführer beschränkt bleibt, sondern auch innerhalb der deutschen Wirtschaft aktiv vorangetrieben wird.